Warum es makroökonomisch keinen Kapitalmangel gibt:

Der angebliche Kapitalmangel ist ein zentrales Postulat für die krisenverschärfenden Lehren der VWL-Professoren. Wie sind diese angeblichen Wissenschaftler auf einen Kapitalmangel in der Ökonomie gekommen?

Zunächst einmal werden die VWL-Professoren sich gedacht haben, weil jedem von ihnen ganz persönlich jede Menge Kapital fehlt, dann müsste dies doch auch für die ganze Wirtschaft gelten. So werden Aussagen über makroökonomische Zusammenhänge mikroökonomisch fundiert.

Das ausschlaggebende Motiv der Professoren für die Theorie vom Kapitalmangel in der Ökonomie dürfte aber der Blick auf den eigenen Kontostand in einem tieferen Sinne gewesen sein, nämlich das Anliegen der Professoren, sich mit ihren Lehren den Kapitalisten anzudienen und ihren Kontostand dadurch zu verbessern. Denn der angebliche Kapitalmangel liefert die schönste Begründung für die immerwährende Forderung von VWL-Professoren nach Lohnsenkung und Sozialabbau sowie höheren Profiten, Subventionen und Steuergeschenken für das Kapital. Auf einem freien Markt sind halt auch die Lehren der VWL-Professoren käuflich, vor allem die Lehren der Professoren, die dem Markt in jeder Beziehung den Vorzug geben vor jeder „Anmaßung von Wissen“ (Hayek).

Der wichtigste Anlass für die Theorie vom Kapitalmangel der Ökonomien ist aber die krisenverschärfende Wirkung der daraus abgeleiteten Forderungen nach Konsumverzicht. Angeblich würde jeder Konsumverzicht zu höheren Investitionen führen, was die Professoren gern mit ihren üblichen Zirkelschlüssen zu belegen versuchen. Ein typisches Beispiel für ein solchen Zirkelschluss wäre dieses:

Jedes Volkseinkommen, das nicht konsumiert, sondern gespart wird, erhöhe den Kapitalstock und damit die Grenzproduktivität der Arbeit. Nun könnten die Unternehmer höhere Löhne zahlen oder mehr Arbeiter einstellen. Konsumverzicht und verstärktes Sparen wäre daher im höchsten Eigeninteresse der Arbeiter. Den notwendigen Konsumverzicht könnten wir am wirksamsten durch die Erhöhung der Profite erreichen, mit denen die Unternehmer dann investieren und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würden.

So etwa lautet in Kurzfassung der ganze korrupte Unsinn der VWL speziell in den Zeiten der Wirtschaftskrise. Statt eine höhere Auslastung durch mehr Konsumnachfrage und damit die Erhaltung der Arbeitsplätze zu unterstützen, fordert die VWL Konsumverzicht und damit eine krisenverschärfende Politik der fortgesetzten Kapitalvernichtung durch Unterauslastung.

Haben Sie den Zirkelschluss in der oben dargestellten Argumentation bemerkt?

Weil das Volkseinkommen aus Konsum und Investition besteht, ist selbstverständlich per Definition der Teil des Volkseinkommens, der nicht konsumiert wird, eine Investition; und zwar sogar eine Nettoinvestition, die das gesamte Produktionspotential gesteigert hat. Andernfalls, wenn es keine Nettoinvestition gewesen wäre, dann hätte die Investition auch nicht zum Volkseinkommen gezählt.

Hier wird einfach mit einem Trick (was nicht Konsum ist, kann definitionsgemäß nur eine Investition sein; so wie alle Menschen, die nicht Männer sind, Frauen sein müssen, woraus VWL-Professoren vermutlich die Lehre ziehen würden, dass weniger Männer zu mehr Frauen führen) bei den Studenten der VWL oder dem Publikum der Trugschluss erzeugt, dass jeder Konsumverzicht tatsächlich zu steigenden Nettoinvestitionen führe und damit ein Kapitalmangel behoben würde, was dann höhere Löhne oder mehr Arbeitsplätze erlaube.

Bestärkt wird der Irrtum hier wieder durch die mikroökonomischen Vorstellungen:

Für jeden Einzelnen gilt, dass der Teil seines Einkommens, der nicht für Konsum verwendet wird, seine Ersparnisse erhöht. Nun übertragen die Leute diese Vorstellung auf die Makroökonomie und meinen, dass auch hier jeder Konsumverzicht zu steigenden Ersparnissen und diese zu wachsenden Investitionen führen müssten.

Diese Übertragung der mikroökonomischen Realität auf die Makroökonomie ist aber wieder völlig falsch, weil makroökonomisch jeder Verzicht auf Ausgaben einfach zu sinkenden Einnahmen führt (Ausgaben = Einnahmen!). Durch das Sparen am Konsum werden also in einer Makroökonomie alle ärmer, ihre Einkommen sinken mit dem Sparen. Zuletzt wird durch die gesunkene Güternachfrage sogar noch Kapital vernichtet. Das aber ahnen die in aller Regel nur mikroökonomisch denkenden Leute, also die gewöhnlichen VWL-Studenten und die einfachen Bürger nicht, während die Professoren ihren Schwindel selbstverständlich durchschaut haben.

Der Trugschluss der VWL gipfelt in der Formel I = S. Mit dieser Formel im Kopf meinen die Studenten und glaubt das Publikum, dass Investitionen durch höhere Ersparnisse aus dem Konsumverzicht entstünden. In Wahrheit handelt es sich bei der Gleichung I = S um eine Identität, also um eine Tautologie und keinen kausalen Zusammenhang im Sinne von S => I (Sparen bewirkt Investition).

Die Investitionen können also nicht durch verstärktes Sparen und vor allem nicht durch ein verstärktes Sparen von Geld gesteigert werden. Wenn durch eine Investitione der Kapitalstock tatsächlich wächst, was auch die entsprechende Auslastung des Kapitalstocks durch eine gestiegende Güternachfrage voraussetzt, dann haben wir durch diese Nettoinvestition auch definitionsgemäß eine reale Ersparnis in Gestalt eines höheren Kapitalstocks. Es gilt also I => S (Nettoinvestitionen bewirken eine Ersparnis; oder besser noch: Nettoinvestition ist eine Ersparnis; aber nicht umgekehrt).

Die VWL-Professoren versuchen stets, einen umgekehrten Zusammenhang zu suggerieren, als würde das Sparen durch Konsumverzicht zu einem höheren Kapitalstock führen. Damit dienen die Lehren der VWL in jeder Wirtschaftskrise zu einer Verschärfung dieser Krise durch fehlende Güternachfrage .

Mit diesen Lehren wird stets eine Politik der hohen Zinsen (Belohnung für verstärkten Konsumverzicht zum Zweck des Sparens) und der Senkung von Löhnen und Sozialleistungen (Senkung des angeblich zu hohen Kosums zum Zweck der besseren Kapitalbildung) und der restriktiven Finanzpolitik der öffentlichen Haushalte verbunden mit Subventionen und Steuergeschenken für das Kapital von entweder völlig korrupten oder völlig verblödeten VWL-Professoren begründet. Denn die wirklichen Zusammenhänge sind ja sehr leicht zu verstehen, wenn jemand sie nur verstehen will.

Wenn es nicht der Kapitalmangel ist, was beschränkt dann die Leistungsfähigkeit einer Ökonomie?

Wenn Kapital knapp wäre und deshalb hohe Renditen einbringen würde, dann könnte der Kapitalstock mindestens in der Höhe dieser hohen Renditen jedes Jahr steigen. Der Kapitalstock müsste sich also bei einer Knappheitsrendite von 7% p.a. alle zehn Jahre verdoppelt haben, in dreißig Jahren verachtfacht – in 100 Jahren hätte der Kapitalstock sich schon um den Faktor 1024 gesteigert. Kapital kann also nicht fehlen.

Kapital kann vor allem auch deshalb nicht fehlen, weil seit vielen Jahrzehnten das Verhältnis von Kapitalstock zur Produktion nicht mehr steigt. Der technische Fortschritt lässt nicht nur die Arbeitsproduktivität steigen, sondern auch die Produktivität des Kapitals. Für einen verdoppelten Kapitalstock müsste sich auch das BIP verdoppeln, selbst bei einer Akkumulation von nur 3,5% jährlich würden sich der Kapitalstock und die Produktion und damit die Einkommen alle 20 Jahre verdoppeln.

Die VWL weiß selbstverständlich schon längst, dass die Produktion nicht durch einen Mangel an Kapital limitiert wird. Die Produktionsfunktion F(Arbeit, Kapital) wurde deshalb längst um einen Faktor ergänzt, der den Produktivitätsanstieg unabhängig von den angeblichen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital enthält. Diese Faktor lässt sich nicht durch das Sparen von Kapital verbessern, wohl aber durch bessere gesellschaftliche Verhältnisse, also weniger Korruption, Betrug, Unterdrückung und Ausbeutung.

Bis zur vollen Auslastung des Produktionspotentials ist es einfach die fehlende Güternachfrage, die das Wachstum des Outputs und des dafür nötigen Kapitalstocks beschränkt. Mehr Nachfrage führt zu mehr Produktion und zu erfolgreichen Nettoinvestitionen für dieses Wirtschaftswachstum. Weil die Politik jedoch von den Ausbeutern beherrscht wird, steigen die Masseneinkommen nur unzureichend mit dem Produktionspotential, was dann den ökonomischen und gesellschaftlichen Fortschritt behindert. Verbreitete Armut unter den Lohnabhängigen schädigt sogar deren Leistungsfähigkeit: Die Opfer dieser neoliberalen Politik versuchen, so schlecht zu arbeiten, wie sie bezahlt werden, und nicht die Dummen zu sein, die sich ehrlich abschinden, während die Ausbeuter sich ein schönes Leben auf Kosten der Fleißigen machen.

An der Auslastungsgrenze wird die Leistung einer Ökonomie durch gesellschaftliche Faktoren beschränkt. Der effiziente Einsatz von Kapital und die effiziente Produktion erfordern möglichst geringe Schäden durch Korruption und Kriminalität. Es sind einfach die herrschenden gesellschaftlichen Zustände, wie etwa korrupte Politiker oder VWL-Professoren mit ihren krisenverschärfenden Theorien, die das sonst mögliche Wachstum einer Ökonomie limitieren.

Unter korrupten Verhältnissen haben wir dann statt Wachstum und einem mit dem Wachstum einer effizienten Ökonomie automatisch steigenden Kapitalstock eine Wirtschaftskrise mit Kapitalvernichtung und Verelendung der arbeitenden Bevölkerung zu Gunsten der Bereicherung einer herrschenden, kriminellen Elite aus Bankstern, also skrupellosen Finanzspekulanten, die von den inszenierten Krisen profitieren, und der Bereicherung ihrer Mietmäuler auf den VWL-Lehrstühlen und in den angeblichen Wirtschaftsforschungsinstituten.

Advertisements

10 Gedanken zu „Warum es makroökonomisch keinen Kapitalmangel gibt:

  1. Sehr treffend beschrieben. Einen Haken hat das Ganze aber doch, der in der Vergangenheit vielleicht weniger sichtbar war, aber immer deutlicher wird: wären alle monetären Hindernisse beseitigt, stünde man recht schnell vor einem Verteilungsproblem echter Ressourcen. Irgendwo hat alles seine Grenzen. Das Gezerre um Energie (Öl, Gas, usw.) findet ja nicht erst seit gestern statt. Und ohne Energie gehen ganz schnell die Lichter aus…
    Geld ist und war wohl schon immer ein Steuerungselement der herrschenden Eliten.

  2. Pingback: Der Zusammenhang von Energie und Wirtschaftswachstum | Wissenswertes

  3. Hallo Keynesianer,
    klasse Thema, gerade in den Zeiten mit Trump!
    Angeblich will er Yellen stürzen …
    Wie sieht seine neue? Geldpolitik aus?
    Denke das ewige Rom wird als erster Staat freiwillig diesem Euro entsagen.
    Es kommen sehr interessante Revolutionen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s